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Rundblick 2012 − 11/2012. Positionen junger kunst.

Ein Projekt der Kirschenpflücker e.V.
Kuratiert von Gérard Goodrow und Jan Kaps


DIE KÜNSTLER 2012
DAVID CZUPRYN − RALF DEREICH − PEPPI BOTTROP − JOHANNES JENSEN − FELIX KULTAU − ROMAN LANG − JOHANNA VON MONKIEWITSCH − GEORG PARTHEN − NINAKARLIN PRINZ − HEIKO RÄPPLE − LYDIA WAHRIG.

Vernissage am Freitag, 9.11.12, 19.00 Uhr im

FOTOS DER ERÖFFNUNG AUF FACEBOOK > hier

DQE − Design Quartier Ehrenfeld
Heliosstr. 35-37
50825 Köln-Ehrenfeld
www.d-q-e.net

Reguläre Öffnungszeiten der Ausstellung:
10.11.2010 – 30.11.2012
Donnerstags bis sonntags
von 14.00 bis 19.00 Uhr

Künstlergespräch am Sonntag, 18.11.2012, 15:00 Uhr
Finissage-Party am Freitag, 30.11.2012, 19:00 Uhr

Die Kirschenpflücker danken ganz besonders Gérard Goodrow, Jan Kaps, Wolfgang van Kerkom, Sabine Voggenreiter und dem DQE sowie den beteiligten Galerien für die freundliche Unterstützung.

Elf junge Künstler kommen zusammen und bestreiten gemeinsam und doch jeder für sich eine Ausstellung, die von zwei Kuratoren gemeinsam aber ebenfalls mit jeweils eigenen Agenden konzipiert wurde. Die Ausstellung, die letztendlich aus 13 verschiedenen und höchst individuellen Perspektiven oder Sichtweisen besteht, stellt also naturgemäß keine alleinige, eindeutige These dar, die wie ein roter Faden alles konzeptuell zusammenhalten sollte. Es handelt sich hier also nicht um eine Themenausstellung im herkömmlichen Sinne, sondern schlicht und einfach um eine Gruppenausstellung als eine Art subjektiver Status quo, frei nach dem Motto: Dies alles gibt es also…

Der Düsseldorfer Maler Roman Lang verbindet streng geometrische Körper in einer totalen Zersplitterung. Obwohl die Formen stramm komponiert sind, integriert der Künstler Zufälle und sogar Fehler und spielt somit mit den Sehgewohnheiten des Betrachters. Peppi Bottrop spielt ebenfalls mit der Geometrie und ihre Anordnung innerhalb eines geschlossenen Systems. Locker gezeichnete Linien treffen auf eine strikte Linienführung, die in der Formvollendung meist zu einem geometrischen Körper wächst. Viel malerischer und verspielt sind dagegen die Gemälde von Ralf Dereich. Wenn für Lang und Bottrop die russische Avantgarde eine Rolle im Hinterkopf spielt, dann ist bei Dereich eher die fließende Malerei der amerikanischen Abstrakten Expressionisten am Ball.

Eine expressive Materialität spielt eine zentrale Rolle im Schaffen von Heiko Räpple, Ninakarlin Prinz und Felix Kultau, wenn auch jeweils auf eine gänzlich andere Art und Weise. Räpples skulpturale Werke aus Beton, Gips, Holz und Stahl arbeiten mit und gegen den Raum. Auffällig sind ihre starken Oberflächenstrukturen: eine Struktur, die Dynamik verleiht, und eine Oberfläche, die diese wiederum verschluckt. Ninakarlin Prinz recycelt Baumaterialien und Versatzstücke aus dem Alltag und kombiniert diese neu, um rätselhafte geometrische Gebilde zu schaffen. Und auch Felix Kultaus Objekte, Installationen, Drucke und Gemälde bestehen meist aus einer Zusammensetzung unterschiedlicher bzw. teils gegensätzliche Medien und Materialien. Die Integration des Alltagsgegenstandes und dessen Abwandlung hin zur Installation oder Objet d‘art verdeutlicht das Streben der bedien Künstler, neue Kontexte zu bilden und somit auch neue Sichtweise zu öffnen.

Um neue Sichtweisen handelt es sich ebenfalls beim Berliner Foto- und Video-Künstler Georg Parthen. Mit seiner HD-Videoinstallation „ohne Titel (AFX)“ aus 2011 transformiert er eine scheinbar banale Situation an einem anonymen Flughafen in eine spannende Geschichte von Warten und Erwartungen. Ganz anders aber doch irgendwie verwandt, zumindest konzeptuell, sind die Gemälde und Collagen von David Czupryn. Aus alten und aktuellen Zeitungen entnommen, die Streifen in seinen Collagen sind eindeutig Bedeutungsträger auf mehreren Ebenen, doch ihre Bedeutung bleibt unlesbar und somit irgendwo geheimnisvoll und widersinnig. Ähnliches gilt dem installativen Werk von Johannes Jensen. Alltägliche Gegenstände werden auf unterschiedlichster Weise neu arrangiert, was ihnen einen innovativen Sinnzusammenhang verleiht. Jensens Objekte und Installationen oszillieren zwischen lakonischer Ironie und einer mahnenden Wirklichkeit. Nichts ist, was es im ersten Moment zu sein scheint.

Die Werke und Ansätze von Johanna von Monkiewitsch und Lydia Wahrig könnten wiederum nicht gegensätzlicher sein. Monkiewitschs Ansatz ist streng konzeptuell; ihre Arbeiten, seien es Fotografien, Collagen oder auch Skulpturen und Installationen, unterliegen der absoluten Reduktion. Offener und verspielter sind die Arbeiten der Leipziger Malerin Lydia Wahrig. Ihre gestische, teils fast romantische Malerei befindet sich im Fluss zwischen dem Figurativen und dem Abstrakten bzw. dem Konzeptuellen.

Der Bewusstseinsstrom fließt weiter und reißt jeden neuen Besucher der Ausstellung mit. Und so entstehen immer neue Assoziationen und Verbindungen zwischen den Künstlern und den Kunstwerken. Und im besten Falle verlässt man die Ausstellung mit mehr Fragen als Antworten. Im schlimmsten Fall stellt man einfach fest: dies alles gibt es also …